Ansprechpartner

Ihr Kontakt für das Projekt Stillen bei Ewerbstätigkeit ist die zertifizierte AFS-Stillberaterin Uta Tanzer.

Sie erreichen Frau Tanzer via E-Mail unter erwerbstaetigkeit@afs-stillen.de

Langzeitstillend im Beschäftigungsverbot

Mein Name ist J. und ich bin eine Langzeitstillmami im Beschäftigungsverbot. Geplant war das nicht, denn eigentlich wollte ich meinem Mann als unser Sohn 7 Monate alt war die Chance geben mehr Zeit mit ihm zu verbringen.

Wiedereinstieg

Also ging ich am 1.1.2014 wieder in meinem Job, den Rettungsdienst zurück. In einem Beruf, der hauptsächlich von Männern dominiert wird, machte ich mich auf so einiges gefasst, als ich an meinem ersten Tag mit Pumpe und kleiner Kühlbox bewaffnet auf dem Weg war. Meinen Arbeitgeber hatte ich nicht informiert, dass ich noch stille, sondern habe es lediglich mit unserer Leitstelle abgesprochen und ausgemacht, dass ich abpumpe, wann ich möchte und ihnen nur kurz einen Hinweis gebe. Es klappte besser als gedacht und auch die Kommentare der Kollegen – mit denen ich gerechnet hatte – blieben aus. Ich fuhr mit einem sehr jungen Mann, 19 Jahre, er hatte so eine hohe Meinung vom Stillen, sodass er mich an manchen Tagen punkt 12 Uhr erinnerte „Es ist Zeit zum Pumpen“ oder für mich zur nächsten Tankstelle raste, weil meine Baterien fast leer waren.

Ich war glücklich, mein Sohn genoss die Zeit mit Papa und bekam trotzdem die kostbare Mamamilch.

Ab ins Beschäftigungsverbot

Anfang Februar hatte ich einen Termin bei unserer Betriebsärztin zur Kontrolle (bei uns in der Stadt muss man einen bestimmten BMI haben um Rettungswagen zu fahren), sie war sehr erstaunt, wie fit ich denn schon wieder war und dass ich trotz einer Entbindung vor kurzem keine Probleme beim Tragen von Patienten hatte. Dann sagte sie es „Sie müssen von ihrem Gewicht etwas runter, das ist sehr an der Grenze.“ Welche Frau wird schon gerne auf ihr Gewicht angesprochen?! „Joah, das kann ja bei stillenden Müttern immer etwas variieren.“ Ich dachte mit dem Satz hätte ich es jetzt raus gerissen. Falsch, es folgte ein entsetztes „SIE STILLEN????? So geht das nicht, sie können doch nicht arbeiten und stillen. Was sie ihrem Baby da antun… Beschäftigungsverbot! Aber sofort!“

Ohne mich weiter zu beachten rief sie meinen Chef an und machte ihn rund, wie er nur zulassen könnte eine junge Mutter stillend mit kranken Menschen zusammen zu bringen. Was ein peinlicher Moment, er wusste es ja gar nicht. Sie entließ mich mit den Worten „kommen Sie wieder wenn Sie nicht mehr stillen“ und schon schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf

  • Wie lang darf ich stillen ohne Probleme zu bekommen?
  • Was machen wir jetzt mit der Elternzeit meines Mannes?
  • Kann ich nicht was anderes machen?

Und das Schlimmste

  • Wie trete ich jetzt meinem Chef gegenüber?

Das Gespräch mit dem Chef

Als erstes rief ich meinen Chef an, er zitierte mich sofort in sein Büro.

Er machte mir ganz schnell klar, dass Stillen wichtig ist, aber wenn dann bitte gesund und ohne Stress. Wir füllten zusammen eine Gefahrenbeurteilung der Bezirksregierung aus, diese ergab eindeutig, dass ich nicht arbeiten darf und er für mich nichts anderes zu erledigen hat. „Geh nach Hause, still solange wie du willst und gib Acht auf euch“.

Als nächstes rief ich unseren Vorstand an, er ist Arbeitsrichter und ich dachte er würde sich ja sicher damit auskennen. „Still solange wie du möchtest, übertreib es nur nicht.“ Schon wieder so eine Aussage die sich weit dehnen lässt.

Zuhause angekommen beratschlagte ich mich mit meinem Mann, er willigte ein für mich arbeiten zu gehen (wir haben den gleichen Arbeitgeber und Posten), das war aber eine freiwillige Entscheidung und keine Vorgabe.

Es ist ein Jahr vergangen und genau heute bekam ich einen Brief von meinem Arbeitgeber, dass die Krankenkasse wissen will ob ich noch immer stille.

„Ja, ich stille meinen Sohn.“ Wie es jetzt damit weitergeht weiß ich noch nicht, sollte aber jemand versuchen meinem Sohn die Milch streitig zu machen bin ich zum Kampf bereit.